Die Chance bei Swiss Lotto einen Sechser zu landen ist verschwindend gering, die Zusatzzahl zu treffen fast unmöglich.
Im Schnitt spielt aber jeder Schweizer mindestens einmal pro Jahr Swiss Lotto. Warum tun sie das? Ganz einfach, sie glauben an den Eintritt des Unmöglichen. Warum sollte dies bei der Kernenergie anders sein?
Die Chance im Swiss Lotto zu gewinnen beträgt 1:8’145’060
Die Chance auch die Plus Zahl zu treffen beträgt 1:24’435’180
Europa
Europa gibt es 93 Kernkraftwerke mit 196 Reaktorblöcken (Quelle: Wiki)
Da wir die errechnete Eintrittswahrscheinlichkeit von Unfällen gem. INES Liste nicht kennen, werden wir hier mit der Statistik rechnen.
- Stufe 1-3 Störfälle: Mehr als ein Störfall pro Jahr und Kraftwerk in Deutschland (Quelle: Wiki)
- Stufe 4-6 Unfall: 1:3 (31:93 Quelle: Wiki)
- Stufe 7 Unfall: 1:93 (Quelle: Wiki)
Weltweit
Weltweit gibt es 212 Kernkraftwerke mit 442 Reaktorblöcken (Quelle: Wiki)
Die Unfallstatistik dürfte ca. im gleichen Rahmen liegen.
Aktuell
Nach dem verheerenden Erdbeben der Stufe 9 und einer Tsunami-Welle die bis 23 Meter erreichte droht nun noch im Kraftwerk Fukushima in verschiedenen Reaktoren die Kernschmelze, die INES beurteilt die Ereignisse derzeit als Unfall der Stufe 6. Die Situation kann sich aber stündlich ändern. Bei der Glückskette und Caritas kann man Japan direkt unterstützen. Ich werde in diesem Artikel nicht auf Japan eingehen, da die Ereignisse noch zu unübersichtlich sind und sich die Lage ständig verändert. Ich hoffe das Beste für Japan.
Unfall Stufe 7
gem. INES
- Bezeichnung: Katastrophaler Unfall
- Auswirkungen außerhalb der Anlage: Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld, Erhebliche Freisetzung (>10000 TBq)[1], Gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete, ggf. in mehr als einem Land
- Beispiel: 1986: Havarie des Kernkraftwerks Tschernobyl, Ukraine – damals UdSSR
Unfall Stufe 7 in der Schweiz
Die Chance, dass wir in der Schweiz einen Unfall der Stufe 7 haben werden, ist gering. Nur ist der Einsatz die Schweiz wie wir sie heute kennen und lieben.
Der zu erwartende Schaden beträgt rund 4000 Milliarden Franken (dies entspricht rund achtmal dem Schweizer BIP vom 2009). Da keine Versicherung bereit ist Atomkraftwerke zu versichern und diese nur bis rund 2 Milliarden haften, bleiben 3998 Milliarden Franken Schaden am Staat und den Bürgern hängen, was faktisch mehr oder weniger den Staatsbankrott bedeuten würde. Doch in Anbetracht der möglichen Toten und dem verstrahlten Gebiet sind die finanziellen Schäden eigentlich nebensächlich. Da die Schweiz relativ klein und relativ dicht besiedelt ist, würde eine Verstrahlung unsere Infrastruktur auf lange Zeit schwer Schaden. Ein Beispiel sind Autobahnen und Bahnlinien die neu gebaut werden müssten, um die Todeszone zu umfahren.
Das einzige derzeit vergleichbare Ereignis ist Tschernobyl von 1986. Dort gibt es noch immer die hochverstrahlte Sicherheitszone von 30 Kilometer rund um das Kraftwerk, also total ein Fläche von 2827.433km2. Dies entspricht 14.6% der gesamten Schweiz (41285km2). Mit einer Bevölkerungsdichte von rund 189 Menschen pro km2 müssen somit rund 534’384 Personen umgesiedelt werde. Je nach AKW kann diese Zahl auch massiv höher liegen. Zudem gehen Industriestandorte, Spitäler, Staatliche Einrichtungen usw. auf diesem Gebiet verloren.
Bis heute sind in Tschernobyl aufgrund der Verstrahlung 800.000 Hektar (ha) Land und 700.000 ha Wald nicht mehr wirtschaftlich nutzbar. Dies entspricht rund 15’000km2 und somit 36.3% der Schweiz. Zudem wurde rund 40% von Europa mit Cäsium-137 kontaminiert.
Die zu erwartende Opferzahl kann nicht beziffert werden. Sicher ist aber, dass tausende von Menschen auch noch in 100 Jahren an den direkten und indirekten Folgen sterben werden.
Angesicht dieses Katastrophenausmasses, würde es schwierig für die Schweiz die Souveränität zu behalten.
Sicherheit
Ich will nicht behaupten, dass unsere Kraftwerke unsicher sind. Viele der durchgedachten Möglichkeiten wurden in die Sicherheitskonzepte eingebunden und umgesetzt. Das Problem an Risikoanalysen ist, dass nie alle Möglichkeiten durchgedacht werden können, weil es schlicht nicht möglich ist (Es gibt nahezu unendlich viele mögliche Verkettungen). Deshalb wird Risikoselektion betrieben, welche eine 99,99% Sicherheit garantiert. Der Rest bleibt als Restrisiko am Kraftwerk hängen.
Versicherungen sind darauf spezialisiert Sicherheit und Risiko abzuschätzen um eine Versicherungslösung zu finden. Deshalb sollten sich doch Versicherungsgesellschaften um die „sicheren Atomkraftwerke“ reissen. De Facto ist aber keine Versicherung weltweit bereit Atomkraftwerke zu versichern. Im Unterschied zur Risikoanalyse welche zur Betriebsbewilligung der Kraftwerke notwendig ist, betrachten Versicherungen nicht nur die Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern auch den möglichen Schaden. Aufgrund der extremen Schadenserwartung gelten Atomkraftwerke für Versicherungen immer noch als hochriskant und nicht versicherbar.
Erschreckend ist, dass keines der deutschen Atomkraftwerke gegen Passagierflugzeuge geschützt ist, obwohl dieses Problem seit spätestens 2001 bekannt ist. Einige würden sogar den Absturz eines Kleinflugzeuges nicht überstehen. Die schweizer Kraftwerke sind gegen diese Gefahr besser geschützt. Abgesehen von menschlichem Versagen (Tschernobyl), geht hier in Europa die grösste Gefahr sicherlich von Terroranschlägen aus. Leider ist es nicht möglich, zumindest nicht wirtschaftlich, Atomkraftwerke gegen jeden erdenklichen terroristischen Akt zu schützen. Selbst das Pentagon wurde von einem terroristischen Akt getroffen. Ein aktuelles Szenario beruht auf einem gewisser Diktator, der aus diversen Gründen derzeit schlecht auf Europa zu sprechen ist und per Zufall einige Milliarden auf der hohen Kante hat. Es wäre vermessen zusagen, dass unsere Kraftwerke unter Einsatz von Milliarden nicht sabotiert werden könnten. Dazu kommen Naturgewalten die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Vieleicht auch einfach nur ein Meteoriteneinschlag am falschen Ort, unwahrscheinlich aber genauso verheerend.
Das ungelöste Abfallstapeln sprechen ich jetzt mal nicht an, da es vermutlich selbstsprechend ist…
Radikales Umdenken
Wir müssen uns endlich von der Atomenergie lossagen. Doch bereits jetzt hört man schon wieder das dies zu teuer sei und der Strompreis steigen wird und und und. JA wir müssen uns umstellen, JA der Strom wird kurzfristig gesehen teurer, JA wir können den Atomausstieg in ganz Europa umsetzen. Langfristig werden neue Arbeitsplätze in der Industrie geschaffen.
Wie es auch in der Chemie heisst „Chemische Reaktionen laufen häufig nicht spontan ab“, brauchen auch wir Menschen eine Aktivierungsenergie um in die Gänge zu kommen. Dies bedeutet jetzt, dass wir bereit sind mehr zu bezahlen, Strom zu sparen und nicht gegen jedes Windrad, jede Staumauer und Hochspannungsleitung demonstrieren, denn ohne Ausbau ist der Umstieg nicht möglich.
Zukunft
Ich bin aber davon überzeugt, wenn wir in einigen Jahren in ganz Europa, oder gar der ganzen Welt, den kompletten Atomausstieg geschafft haben, die Strompreise sinken werden, weil die Technologien durch den wirtschaftlichen Druck massiv weiterentwickelt werden. Zudem werden wir durch unsere Umstellung im Kopf auch endlich bereit sein uns vom Öl abzukoppeln.
Ein wichtiger Punkt ist, dass wir nicht mehr den zweifelhaften Frieden mit Diktatoren eingehen sondern konsequent und geschlossen nur noch mit Demokratischen Staaten verhandeln (auch wenn dies kurzfristig finanzielle Einbussen bringen kann). So können wir die Demokratisierung der arabischen Welt unterstützen. Ich bin davon überzeugt, dass die arabische Welt den Umstieg zur Demokratie schaffen wird. Damit wird auch den Terrororganisationen, welche nur dank der Verzweiflung unterdrückter Bürger gedeihen können, der Boden entzogen. Gemässigte Strömungen dieser Organisationen werden wohl in die Politik einfliessen (aber wir haben schliesslich auch die SD und EVP in der Politik, und das ist auch gut so). Sobald dieser Wandel geschafft ist, könnten diese Staaten ganz Europa mit Brennstoffzellen für die wasserstoffbetriebenen Autos liefern. Dank der Sonne können riesige Entsalzungsanlagen CO2 neutral und billig Wasser für die Wüstenregionen produzieren und somit ein Wachstum ermöglichen, welches für Wohlstand und Stabilität in der arabische Welt sorgt.
„Der Zauberlehrling“
Obwohl Johann Wolfgang von Goethe, als er die Ballade schrieb, noch nichts von Atomenergie wusste, trifft sie doch genau darauf zu.
Schritt eins: Selbstüberschätzung
3 Und nun sollen seine Geister
4 auch nach meinem Willen leben.
5 Seine Wort und Werke
6 merkt ich und den Brauch,
7 und mit Geistesstärke
8 tu ich Wunder auch.
Die Menschheit beginnt die Atomenergie zu nutzen, die Energie wird als Wunder der Technik beschrieben.
Schritt zwei: Blinde Gier
23 Walle! walle,
24 manche Strecke,
25 daß, zum Zwecke,
26 Wasser fließe
27 und mit reichem, vollem Schwalle
28 zu dem Bade sich ergieße.
Kraftwerke werden aus dem Boden gestampft, bei der Sicherheit wird gespart (sonst wäre die Atomenergie nicht mehr Preiswert).
Schritt drei: Erste Probleme
51 Nein, nicht länger
52 kann ichs lassen:
53 Will ihn fassen.
54 Das ist Tücke!
55 Ach! nun wird mir immer bänger!
56 Welche Mine! welche Blicke!
Schritt vier: Ohnmacht
57 O du Ausgeburt der Hölle!
58 Soll das ganze Haus ersaufen?
59 Seh ich über jede Schwelle
60 doch schon Wasserströme laufen.
61 Ein verruchter Besen,
62 der nicht hören will!
63 Stock, der du gewesen,
64 steh doch wieder still!
Die Kettenreaktion ist angelaufen, die Lösung ist nicht bekannt
Schritt fünf: Rettung
93 „In die Ecke,
94 Besen, Besen!
95 Seids gewesen.
96 Denn als Geister
97 ruft euch nur zu diesem Zwecke,
98 erst hervor der alte Meister.“
Leider können wir im Gegensatz zum Zauberlehrling nicht auf einen Meister hoffen, der für uns alles richtet.
Wir müssen selber anpacken, und zwar jetzt.
By Lukas Oester





